Citizen Science am Bach - mit dem FLOW Projekt die Artenvielfalt entdeckt
Bei strahlendem Sonnenschein und frühsommerlichen Temperaturen haben zehn Ehrenamtliche des Bund Naturschutz Neumarkt am Zellerbach bei Deining einen 100 Meter langen Bachabschnitt genau unter die Lupe genommen. Ziel der Aktion war es, im Rahmen des bundesweiten FLOW-Projekts den ökologischen Zustand des Gewässers zu untersuchen und gleichzeitig wertvolle Daten zu kleinen Fließgewässern zu liefern.
Die Untersuchung gliederte sich in drei zentrale Teilbereiche. Zunächst wurde die Gewässerstruktur bewertet. Dabei nahmen die Teilnehmenden unter anderem das Umfeld des Baches in den Blick, das überwiegend von Grünland geprägt ist. Auch die Uferbeschaffenheit – etwa ob diese naturnah oder verbaut sind – sowie unterschiedliche Sedimenttypen im Bachbett wurden erfasst.
Im zweiten Schritt folgte die Analyse chemischer Parameter. Die Ergebnisse zeigten insgesamt gute bis sehr gute Werte bei Ammonium, Nitrit, Phosphat und dem pH-Wert. Lediglich der Nitratwert mit 15 mg/l ließ Verbesserungspotenzial erkennen, da dieser auf eine mäßige Belastung durch beispielsweise Dünger hinweist.
Den aufwändigsten Teil der Untersuchung stellte die Analyse des sogenannten Makrozoobenthos dar – also jener Kleinstlebewesen, die am Gewässergrund leben und als wichtige Indikatoren für die Wasserqualität gelten. Hier konnten die Ehrenamtlichen eine beeindruckende Vielfalt feststellen: Neben rund 600 Bachflohkrebsen jeglicher Größen fanden sich auch zahlreiche Larven von Köcher-, Eintags- und Steinfliegen sowie eine Libellenlarve und Schnecken, Käfer und Würmer. Die Tiere wurden nach der Bestimmung zurück in den Bach gesetzt.
Besonders faszinierend war der Fund der auffallend großen Eintagsfliegenlarve des Dreischwänzigen Aderhafts, er gilt als SPEAR-Art, das bedeutet, dass er empfindlich auf Pestizideinsatz reagiert. Auch die schiere Menge an Köcherfliegenlarven beeindruckte: Insgesamt wurden auf dem untersuchten Abschnitt knapp 300 Exemplare gezählt. Hinzu kamen 133 Eintagsfliegenlarven aus vier verschiedenen Familien. Trotz dieser Vielfalt und des guten Werts für die Gewässergüte ergab die Bewertung anhand der besonders sensiblen Arten (SPEAR-Index) nur die Kategorie mäßig mit Tendenz zu gut. Für eine Verbesserung dieses Wertes und der Lebensqualität für sensible Arten könnten sich bereits kleine Anpassungen, wie die Einhaltung eines Gewässerrandstreifens positiv auswirken.
Für die Teilnehmenden war der Tag am Bach nicht nur arbeitsreich, sondern auch äußerst lehrreich. „Es ist spannend zu sehen, wie vielfältig das Leben im Bach ist und wie viel man daraus über die Gewässerqualität ablesen kann“, lautete das Fazit einer Ehrenamtlichen.
Das FLOW-Projekt, initiiert und geleitet vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), läuft bundesweit seit 2021. Hintergrund ist, dass sich nur etwa zehn Prozent der Gewässer in einem guten ökologischen Zustand befinden. Insbesondere für kleinere Bäche fehlen bislang häufig verlässliche Daten. Hier setzt das Citizen-Science-Projekt an: Es soll diese Lücken schließen und gleichzeitig Wissen über Gewässerökologie in der Bevölkerung verbreiten.
Auch im kommenden Jahr ist geplant, das Projekt im Landkreis fortzuführen und weitere geeignete Bäche zu untersuchen. Interessierte Bürgerinnen und Bürger, die sich aktiv für den Schutz heimischer Gewässer engagieren und mehr über das Leben im Bach erfahren möchten, können sich bei der Geschäftsstelle des Bund Naturschutz in Neumarkt melden. Ansprechpartnerin ist Geschäftsführerin Katrin Mayer.
Mitmachen ist ausdrücklich erwünscht – für lebendige Bäche und eine gesunde Umwelt.










