Vogelfütterung im Winter

Der BN gibt Tipps zur kalten Jahreszeit

Wenn im Dezember die ersten dicken Schneeflocken fallen, besinnen sich viele Menschen auf die heimische Vogelwelt. Spätestens zu dieser Zeit, meistens jedoch früher, werden in Kaufhäusern und auch in Zoohandlungen scheinbar unerschöpfliche Mengen von Vogelfutter angeboten. Jährlich werden in der Bundesrepublik mehr als 15 Millionen Euro dafür ausgegeben.

Nur wenige Arten kann man füttern

Viele glauben irrtümlich, dass die Vögel das winterliche Futter zum Überleben brauchen. Über 90 Prozent der heimischen Brutvogelarten, vor allem die seltenen und bedrohten Arten, kommen aber gar nicht ans Futterhäuschen. Entweder haben sie ein anderes Nahrungsspektrum, wie Eulen, Greifvögel und zahlreiche Arten von Wasservögeln, oder sie meiden menschliche Siedlungen, oder aber es sind Zugvögel. Unter zehn Prozent der bayerischen Brutvogelarten profitieren von der Fütterung am Fensterbrett oder Futterhaus. Vögel, denen es besonders schlecht geht, werden durch die normalerweise angebotenen Winterfütterungen praktisch nicht gefördert. Während Meisen und Amseln wie im Paradies leben, verschwinden die wirklich bedrohten Arten weiterhin.

Der starke Rückgang vieler Vogelarten ist nicht auf den winterlichen Nahrungsengpass zurückzuführen. Daran sind sie seit Urzeiten, lange bevor der Mensch kam, angepasst und gleichen das mit hoher Jungenzahl im nächsten Frühjahr in der Regel wieder aus. Bei vielen Vogelarten überleben bis zu 70 Prozent der Jungvögel eines Jahrgangs den Winter nicht. Der Rest reicht jedoch aus, um den Fortbestand der Art zu sichern: Vorausgesetzt, dass auch der Lebensraum erhalten bleibt. Entscheidend ist die Vernichtung oder drastische Verschlechterung ihrer Lebensräume. Über die Hälfte der heimischen Vogelarten stehen als gefährdet auf der „Roten Liste“, weil ihnen durch eine Intensivierung der Landnutzung, Zerstörung von Biotopen und die zunehmende Zerschneidung der Landschaft durch Straßen die Lebensgrundlangen entzogen werden.

Die Vogelarten, die ernsthaft in ihrem Bestand bedroht sind, können durch Winterfütterung nicht gerettet werden. Im Gegenteil: Die Winterfütterung verschafft häufigen und an den Menschen angepassten Arten einen weiteren Konkurrenzvorteil zum Beispiel vor den Zugvögeln. Werden auch schwache und kranke Vögel über den Winter gebracht, dann konkurrieren im folgenden Frühjahr mehr Vögel um die knappen Nahrungsbereiche und Brutplätze. Es entsteht ein harter Konkurrenzkampf, dem zwangsläufig die Vogelarten zum Opfer fallen, die das Winterfutter nicht annehmen oder die nicht hier überwintern. Zum Beispiel kann der zurückkehrende Trauerschnäpper oft von „Allerwelts“-Arten wie der Kohlmeise verdrängt werden.

Wie können wir den Vögeln helfen?
Naturschutz mit dem Einkaufskorb!

Nur naturnahe oder extensiv genutzte Flächen bieten den über uns überwinternden Vögeln reichlich Nahrung und Lebensraum. Samen von Wildkräutern, Früchte von heimischen Gehölzen und Insekten, deren Eier und Larven in der Rinde alter Bäume oder in hohlen Pflanzenstengeln  überwintern, sind die natürliche Nahrung heimischer Vögel im eigenen Garten. Anstatt einer künstlichen Fütterung kann auch jeder Gartenbesitzer für den Vogelschutz schon auf kleinster Fläche viel leisten. Gartenstauden, Altgras oder Disteln sollten im Herbst stehen gelassen werden, da darin viele Larven von Insekten überwintern – ein Leckerbissen für viele Vögel. Weichfresser wie Rotkehlchen oder Zaumkönig finden dort die zum Überwintern notwendige Insektennahrung, die selbst das beste Fertigfutter nicht ersetzen kann. An den Stauden kann man immer wieder Körnerfresser wie Finken und Zeisige beobachten, wie sie an den Samenständen picken. Bäume, vor allen Dingen alter Obstbäume, aber auch Laub, das im Garten möglichst liegen bleiben sollte, oder Komposthaufen bieten den Vögeln ein reichhaltiges Nahrungsangebot. Im Gegensatz zu dieser natürlichen Nahrung besteht an künstlichen Futterplätzen immer die Gefahr des Übertragens von Krankheiten und Seuchen. Jedes Jahr sterben mehr Vögel an unsachgemäßem Futter, als mit Hilfe des Futters vor dem Tod bewahrt werden.

Also lieber Vögel im Winter weniger füttern, dafür den Garten naturnah gestalten! Echter Vogelschutz ist der Erhalt strukturreicher Kulturlandschaften und die Bewahrung und Schaffung von naturnahen Lebensräumen. Derzeit sind vor allem Vögel der offenen Agrarlandschaft besonders bedroht, wie Rebhuhn oder auch früher so häufige Arten wie Goldammer oder der Feldsperling. Jeder kann ihnen Helfen: Mit Ihrem Einkaufsverhalten entscheiden Sie täglich darüber, ob das lebendige Landschaftsmosaik unserer Heimat erhalten bleibt, oder ob ausgeräumte Agrarsteppen einer Intensivlandwirtschaft dominieren. Der Kauf von regionalen und biologisch angebauten Produkten hilft, bäuerliche Betriebe zu erhalten und lebendige Agrarlandschaften zu sichern. Mit Ihrer Kaufentscheidung für Bioprodukte leisten Sie unendlich mehr für den Vogelschutz als mit dem Kauf von Meisenknödeln!

Eine Ausnahme: Kontakt zur Natur

In der kalten Jahreszeit am Fenster zu sitzen, um von der Stube aus bei Schnee und Eis Vögel zu beobachten, kann für Kinder lehrreich und interessant sein. Besonders auch alten, kranken, behinderten und einsamen Menschen bietet das Beobachten der Vögel eine willkommene Abwechslung. Oft ist es dann für sie im Winter der einzige Kontakt zur Natur, auf dem Balkon oder Fensterbrett die Vögel zu füttern. Das maßvolle und sachgerechte Füttern zur Vogelbeobachtung aus der Nähe ist in diesen Fällen sicher vertretbar.

Auf diese Weise erfüllt die Winterfütterung auch dann noch einen Zweck, wenn sie nicht direkt für das Überleben der Vögel erforderlich ist: Der Kontakt zur Natur, der mehr und mehr zusammenschrumpft, wird an dieser Stelle wenigstens noch aufrecht erhalten.

Wann und was kann gefüttert werden?

Wer aus diesen Gründen also trotzdem eine Winterfütterung durchführen will, sollte Folgendes beachten:

  • Nur bei dauerhaft geschlossner, hoher Schneedecke und gleichzeitigem Frost mit unter minus fünf Grad Temperatur sollte gefüttert werden. Die Hinweise auf den Futtermittelpackungen, bereits im September mit der Fütterung zu beginnen, dienen nur den Verkaufszahlen, aber nicht einem vernünftigen Vogelschutz.
  • Auf Sauberkeit am Futterplatz ist strikt zu achten, da sich sonst Krankheiten verbreiten, Angegammeltes Futter ist sofort zu entfernen. Am besten täglich die Futterstellen reinigen. Die Futterhäuschen müssen so konstruiert sein, dass das Futter auch bei starkem Wind und Schneeregen nicht nass wird und verdirbt.
  • Futter nie auf den Boden werfen. Es vermischt sich sonst mit dem Kot der Vögel und kann besonders bei mildem Wetter und hohen Vogeldichten zu tödlichen Vogelkrankheiten (Salmonellen) führen. Der Bund Naturschutz empfiehlt ein Futtersilo. Hier ist die Gefahr vor Infektionen wesentlich geringer. Besser sind zur Vermeidung von Ansteckungen auch mehrere kleine als eine große Futterstelle.
  • Liegt ein toter Vogel an der Futterstelle, kann dies ein Zeichen für eine Salmonelleninfektion sein. Damit nicht noch mehr Tiere sterben, sollte man die Station sofort abbauen, alles gründlich reinigen, auch den Boden eventuell umgraben und erst nach zehn Tagen wieder füttern.
  • Geeignet zum Füttern sind Sonnenblumenkerne, Hanf , Hirse, Getreidekörner, Fett-Kleie-Gemische, Haferflocken, Obst , Rosinen, Wildbeeren, Futterringe und Futterknödel, Kokosnusshälften mit Rinderfett oder Rindertalgstücke.
  • Für Arten, die lieber Weichfutter mögen, wie Amsel oder Rotkehlchen, können auf eine flache Unterlage, etwa eine umgedrehte Holzkiste, Haferflocken gestreut oder Äpfel ausgelegt werden. Auch angefaulte oder schrumpelige Exemplare sind für die gefiederten Zweibeiner noch ein Leckerbissen.
  • Zusätzliches Wasser brauchen die Vögel im Winter nicht, ihnen genügen Schnee und Rauhreif.
  • Füttern Sie nie Speisereste. Diese enthalten Gewürze und Salz. Schon geringe Salzmengen führen zum Tod der Vögel. Auch auf Brotreste sollte man verzichten.
  • Keinesfalls darf über den Winter hinaus gefüttert werden. Wer „seine Meisen“ währen der Brutzeit füttert, handelt verantwortungslos. Die Altvögel verfüttern nämlich die leicht erreichbaren Sonnenblumenkerne an die Jungvögel, deren Verdauungstrakt nur auf leichtverdauliche tierische Nahrung eingestellt ist. Scherverdauliche Sämereien führen zum Tod der Jungen.

Der Winter geht irgendwann zu Ende. Und dann brauchen die Vögel erst recht unseren Schutz. Die BN-Kreisgruppe Neumarkt informiert Sie gerne über konkrete Möglichkeiten des Natur- und Landschaftsschutzes und den Erhalt einer artenreichen Vogelwelt in Ihrem Umfeld!