Harmloser Naturbewohner statt gefährlicher Schädling
PM 13/2026
Weiße Gespinste an Bäumen und Sträuchern sorgen derzeit vielerorts für Verunsicherung. Viele Menschen denken beim Anblick der eingesponnenen Äste sofort an den gefährlichen Eichenprozessionsspinner. Doch in den allermeisten Fällen handelt es sich um harmlose Gespinstmotten.
Die Raupen dieser Nachtfalter überziehen ihre Futterpflanzen im Frühjahr mit feinen weißen Gespinsten. Diese dienen ihnen als Schutz vor Fressfeinden und Witterungseinflüssen. Innerhalb der Gespinste fressen die Raupen die Blätter der Pflanzen oft nahezu kahl. Für die betroffenen Bäume und Sträucher ist das jedoch meist kein dauerhaftes Problem – sie treiben in der Regel wieder neu aus.
Spezialisten statt Allesfresser
Besonders interessant: Gespinstmotten befallen nicht wahllos irgendwelche Pflanzen. Allein in Mitteleuropa gibt es mehr als 70 verschiedene Arten, die jeweils auf bestimmte Futterpflanzen spezialisiert sind. So lebt die Pfaffenhütchen-Gespinstmotte bevorzugt am Pfaffenhütchen, die Apfel-Gespinstmotte an Apfelbäumen und andere Arten an Schlehen, Traubenkirschen, Faulbaum oder Pflaumenbäumen. Die Falter legen ihre Eier bereits im Herbst direkt an den Gehölzen ab. Dort überwintern die jungen Larven geschützt. Erst im Frühjahr werden die Raupen aktiv, spinnen ihre auffälligen Netze und beginnen mit dem Blattfraß.
Wichtige Unterschiede zum Eichenprozessionsspinner
Anders als der Eichenprozessionsspinner sind Gespinstmotten für Menschen völlig ungefährlich. Ihre Raupen sind glatt und besitzen keine Brennhaare und lösen keine allergischen Reaktionen aus. Der Eichenprozessionsspinner hingegen trägt viele feine Brennhärchen, die starke Hautreizungen, Juckreiz, Atembeschwerden oder sogar allergische Schocks verursachen können. Außerdem befallen Gespinstmotten viele verschiedene Obst- und Ziergehölze, während der Eichenprozessionsspinner fast ausschließlich an Eichen auftritt.
Was tun bei Befall?
Wer Gespinste an Obstbäumen entdeckt, muss meist nicht eingreifen. Kleinere befallene Triebe können einfach abgeschnitten und entsorgt werden. Größere Gespinste lassen sich beispielsweise mit einem kräftigen Wasserstrahl teilweise entfernen.
Von chemischen Pflanzenschutzmitteln rät der Bund Naturschutz dringlichst ab. Die Raupen dienen unseren Singvögeln als Nahrung auch bei Wespen oder Raubwanzen sind sie beliebt. Gerade in naturnahen Gärten finden diese Nützlinge gute Lebensbedingungen, wodurch sie die Populationen der Gespinstmotten auf natürliche Weise regulieren.
Die auffälligen Gespinste mögen ungewohnt aussehen – gefährlich sind sie jedoch in den meisten Fällen nicht. Statt Sorge ist daher oft eher Staunen über ein faszinierendes Naturphänomen angebracht.







