Ausflug zum Teichelberg bei Pechbrunn

Hunderte Teilnehmer, so viel wie nie zuvor, versammelten sich am Rande des Naturschutzgebietes.
(Foto: Wolfgang Schödel)

Im Urwald unterwegs – in der Oberpfalz

 

Die Kreisgruppe Neumarkt des BUND Naturschutz erkundete am letzten Sonntag einen Lebensraum, der bei uns kaum mehr zu erwarten ist. Dazu war aber ein Ausflug in die nördlichste Oberpfalz nötig: zum Teichelberg bei Pechbrunn. Alfons Greiner von der Ortsgruppe Neumarkt hatte dieses einzigartige Kleinod schon vor Jahren kennengelernt und wollte in einem größeren Rahmen auf die Gefährdung dieses Gebietes aufmerksam machen. Deshalb wurde diese Exkursion mit dem Waldreferenten des BN, Dr. Ralf Straußberger einer größeren Zielgruppe bekannt gemacht.

Und so  trafen sich die Neumarkter Naturschützer mit hundert Gleichgesinnten, um diesen Naturschatz kennenzulernen. Mit dabei war auch der zuständige Revierförster Markus Liegl, der berichtete, dass dieses Gebiet wegen der abgelegenen und steilen Lage über Jahrhunderte kaum genutzt worden sei. „Im Kerngebiet des Teichelbergs befindet sich wirklich ein Urwald.“

Seit 40 Jahres ist dort das Naturwald-Reservat „Gitschger“ ausgewiesen und seitdem wurde kein Baum mehr gefällt und kein Holz entnommen. Mit über 75 Hektar ist es eines der großen Reservate in Bayern. Hier stehen Buchen, Ahorn, Eschen und Linden, die über 200 Jahre alt sind und einen Stammumfang von bis zu fünf Metern haben. Manche dieser Riesen sind inzwischen umgestürzt und vermodern. In ihrem Totholz leben Hunderte von Tierarten, die meisten sind inzwischen sehr selten geworden. Denn in einem bewirtschafteten Wald ist kaum Platz für sie. Im Gitschger gibt es über 100 Kubikmeter Totholz  pro Hektar – im Wirtschaftswald sind 5 Kubikmeter schon ein guter Wert.

Über 400 Käferarten leben hier, davon sind 150 auf Totholz angewiesen. Der Wald am Teichelberg beherbergt auch über 400 verschiedene Nachtschmetterlinge und 220 Pilzarten. Ralf Straußberger hat diese „Perle der Naturwälder“ vor 15 Jahren erforscht und war auf Arten gestoßen, die in ganz Deutschland bereits als ausgestorben galten.

Mit diesem einzigartigen Artenspektrum ist der Teichelberg nicht nur bayernweit unersetzlich, sondern er ist von nationaler Bedeutung. Ungenutzte alte Laubwälder sind in Deutschland extrem selten. In ihnen leben viele verschiedene Waldvögel und Fledermäuse, Wildkatzen und manchmal auch der Luchs. Am Teichelberg leben zwei Wildkatzenfamilien, aber Luchse gibt es zurzeit dort nicht.

 

Leider wurden 1996 noch einmal 26 Hektar des Teichelbergs zum Basaltabbau freigegeben, die inzwischen abgebaut sind. Die verbliebene Fläche wurde 1996 zusätzlich als Naturschutzgebiet und 2006 als europäisches Schutzgebiet (FFH-Gebiet) ausgewiesen. Die gesamte Schutzfläche beträgt 115 Hektar. Das Waldgebiet steht also unter dreifachem Schutz. Ernst Tippmann vom Naturpark Steinwald betonte, wie wichtig dieses Schutzgebiet sei. Er sicherte die Unterstützung des Naturparks zu.

Der Abbau der letzten 20 Jahre hat Schäden angerichtet, er hat dem Berg das Wasser abgegraben. Zu sehen ist es am Hacklbrunnen, der kaum mehr Wasser führt und an den Bäumen an der Abbruchkante. Auf die versteckten Schäden wies Straußberger hin: „Vor 15 Jahren fanden wir noch 57 Schneckenarten, darunter Kostbarkeiten wie die gestreifte Windelschnecke und die weitgenabelte Kristallschnecke. Manche Art ist seitdem verschwunden, der Wald wird zu trocken.“

 

Der Teichelberg ist noch immer in großer Gefahr. Es soll noch weiter abgebaut werden, erläuterte der BN Kreisvorsitzende Josef Siller aus Tirschenreuth. Geht es nach der Basalt AG, dann wird die ganze Kuppe des Berges mit ihrem Urwald den Baggern zum Opfer fallen. 2011 hat die Firma den Abbau von weiteren 37 Hektar beantragt. Obwohl die höhere Naturschutzbehörde in Regensburg den Antrag strikt abgelehnte, verfolgt die Basalt AG ihre Pläne weiter. Dahinter steht der Werhahn Konzern. Dieser ist europaweit aktiv und betreibt allein in Deutschland über 100 Steinbrüche.

Seit mehreren Jahren liegt der Antrag auf Abbau beim Bergbauamt in Bayreuth. Wird er genehmigt, so bedeutet das die Zerstörung der „Arche Noah Teichelberg“. Der Teichelberg ist im Besitz des Freistaats Bayern und gehört damit dem bayerischen Volk. Siller nannte es einen Skandal, dass der Freistaat nicht in der Lage sei, seine eigenen Naturschutzgebiete zu schützen.

Der Bund Naturschutz werde um den Teichelberg kämpfen, es handle sich um einen Präzedenzfall. „Wenn der Teichelberg fällt, dann ist kein Naturschutzgebiet mehr sicher“. Ralf Straußberger bekräftige „Der Teichelberg ist so wichtig wie das Riedberger Horn, wenn nötig wird der Bund Naturschutz Bayern durch alle Instanzen klagen“.

 

Die Kreisgruppe Neumarkt hat sich deshalb in einem Schreiben an MdL Albert Füracker, Staatssekretär im Bayerischen Heimatministerium, gewandt mit der Bitte, Art. 141 der Verfassung des Freistaates Bayern ernst zu nehmen. Die Basaltindustrie führt hier 15 Arbeitsplätze ins Feld, die aber ein paar Kilometer nördlich davon neu entstehen könnten, da bereits in den 90er Jahren eine Erweiterungsfläche von über 100 Hektar angeboten wurde!

Berücksichtigt man die globalen Probleme wie Artenschwund, Klimaverwerfungen und die daraus entstehenden Konfliktpotentiale, dann ist ein weiterer Basaltabbau am Teichelberg schlichtweg verantwortungslos. Wer sich hier weiter für die Naturzerstörung einsetzt, hat den Begriff „Schöpfung“ wohl nicht kapiert und begibt sich auf einen totalen Konfrontationskurs zu Papst Franziskus.

Naturwaldreservate wie der Teichelberg zeigen auch, welche Fülle an genetischem Potential hier noch vorhanden ist. Daraus ergibt sich die ungeheuer wichtig Bedeutung solcher Schutzgebiete und die Notwendigkeit, sie flächendeckend auszuweisen, wie die Experten immer wieder betonten. Alfons Greiner vom BN Neumarkt gibt zu bedenken: „Wir können heute nicht etwas auf dem Altar eines vermeintlichen Fortschritts opfern und zerstören, was unsere Kinder und Enkel brauchen und möglicherweise lebensnotwendig ist. Der Mangel an Vorsorge wird sehr teuer werden“.