"Sulzbürg mit Schlüpfelberg"

   

Landratsamt Neumarkt

Nürnberger Straße 1

92318 Neumarkt

                                                                                      

  

Vollzug des Naturschutzgesetzes:

Antrag auf Neuabgrenzung des Landschaftsschutzgebietes (LSG)

„Sulzbürg mit Schlüpfelberg“

 

                                                                                                               28.01.2019

 

Stellungnahme des Bund Naturschutz in Bayern e.V.:

 

 

Der BUND Naturschutz lehnt die Grenzänderungen des Landschaftsschutzgebietes „Sulzbürg mit Schlüpfelberg“, wie sie von der Gemeinde Mühlhausen beantragt werden, überwiegend ab.

 

Die neue Vorschlag zur Änderung der Gesamtfläche von derzeit 740,57 ha auf 705 ha würde eine Reduzierung um fast 40 ha bedeuten, die offenbar von der Gemeinde überwiegend für Bebauungen zur Verfügung gestellt werden sollen. Begründet wird dies mit dem Bevölkerungszuwachs und der Reduzierung der Belegungsdichte in Wohngebieten. Beide Begründungen sind nicht stichhaltig.

 

Wie die Einwohnerstatistik zeigt, hat Sulzbürg kaum Bevölkerungszuwachs zu verzeichnen. Die spezifische Geschichte des Dorfes hat sowohl zu Leerstand wie zu Einzelpersonenhaushalten in vielen großen Gebäuden geführt. Seit dem Bestehen der Rechtsverordnung für das LSG „Sulzbürg mit Schlüpfelberg“ aus dem Jahr 1964 sind zahlreiche Bauvorhaben auch innerhalb des LSG realisiert worden. Im Innenbereich des Dorfes gibt es gelungene Beispiele, wie durch Altbausanierung oder durch die geschickte Nutzung des vorhandenen Raumes unter Beibehaltung von Grünbereichen Raum für die Nachkommen alteingesessener Familien oder auch Neubürger*innen geschaffen werden kann. Durch die Neuausweisung von Baugebieten durch Schrumpfung des LSG „Sulzbürg mit Schlüpfelberg“ würde der einmalige und für Naherholung wie Tourismus attraktive Charakter des Dorfes und seiner Umgebung preisgegeben.

 

Grundsätzlich sind Einzelbaumaßnahmen im LSG ja möglich, erfordern aber ein behutsames und vielleicht etwas länger dauerndes Planen. Das „Kleinod“ Sulzbürg verdient genau diese besondere Aufmerksamkeit und Fürsorge. Nur so kann es sein Alleinstellungsmerkmal innerhalb der Gemeinde Mühlhausen bewahren.

 

Ein weiterer Grund für die Beibehaltung des Landschaftsschutzstatus für die Ortschaft Sulzbürg liegt in der Besonderheit seiner Geologie:

 

 

Hier hat es vor einigen Jahren bereits heftige Hangrutsche gegeben. Gerade die Zeugenberge (Sulzbürg, Badberg und Schlüpfelberg) sind in der Gefahrenhinweiskarte Jura des LfU vom Juli 2015 als sehr gefährdet eingestuft: „Eine erhöhte Gefährdung für Rutschungen besteht insbesondere an Hängen, an denen wasserdurchlässige Gesteine, wie Sandsteine und Kalke, über Wasser stauenden, meist tonigen Gesteinen liegen. In den „weichen“ tonigen Schichten bilden sich leicht Gleitflächen aus, auf denen kompaktere Gesteine abrutschen können. Die Verwitterung und gleichzeitige Entfestigung begünstigt diesen Prozess. Im Landkreis Neumarkt i.d.Opf. sind besonders die Schichten des mittleren Jura, die den Sockel der Frankenalb bilden, betroffen: der Opalinuston nimmt die Tallagen ein und leitet zu den steil ansteigenden Hängen des Eisensandsteins über. Diese Situation ist insbesondere an den Zeugenbergen, wie am Dillberg, am Buchberg oder in Sulzbürg für eine erhöhte Rutschanfälligkeit verantwortlich.“ (S. 7)

 

Die Gefahrenhinweiskarte, aus der dieses Zitat stammt, stellt ausdrücklich fest, dass sie nicht als Bauverbotskarte wirken will, sondern dass in kritischen Fällen eben in einem Detailgutachten festgestellt werden sollte, ob und welche Sicherungsmaßnahmen im Sinne der Nachhaltigkeit gemacht werden sollten. Den bebauten Ort im LSG zu belassen, bietet die Gewähr für einen sorgsamen Umgang mit neuen Bauvorhaben auch in dieser Hinsicht.

 

Die Behauptung der Gemeinde Mühlhausen, die Ortsteile könnten sich durch die bestehende Rechtsverordnung des LSG nicht „entwickeln“, ist falsch. Nicht nur im Ortsteil Sulzbürg, sondern auch in den anderen Ortsteilen wurden seit Bestehen des LSG immer wieder Bauvorhaben realisiert: Wohngebäude, gewerblich genutzte Gebäude sowie Gewerbebetriebe. Die betroffenen Ortsteile können sich durchaus auch außerhalb des LSG „entwickeln“, wenn dies erforderlich sein sollte.

 

Auch die Behauptung der Gemeinde, zusätzliche Wohngebiete nur durch die Reduzierung des LSG gewinnen zu können, ist falsch. In den letzten Jahren wurden bereits zahlreiche neue WA-Gebiete außerhalb des LSG ausgewiesen, allerdings wurden die Bauparzellen in relativ kurzer Zeit veräußert. Neue WA-Gebiete sind bereits in Planung. Hier wäre ein nachhaltiger Umgang mit Grund und Boden notwendig.

 

An dieser Stelle möchte ich Professor Dr.-Ing. Holger Magel, TUM Ordinarius EoE für Bodenordnung und Landentwicklung, Präsident der Bayerischen Akademie Ländlicher Raum zitieren:

„Wer seine Heimat liebt, der schont ihre Landschaften und hält sie von unnötiger Verbauung frei!“

Bei der Anhörung des Umweltausschusses im Bayerischen Landtag am 19.04.2018 zum Thema

„Wirksame Instrumente zur Reduzierung des Flächenverbrauchs in Bayern“ erklärte er:

Es geht um viel – es geht um Sinn und Sein

Es geht um die fundamentale Rolle und Funktion, die Natur und Landschaft für das menschliche Leben und Wohlbefinden spielen. Der Humanökologe Ulrich Eisel spricht im Zusammenhang mit Bewahrung und Entwicklung der Heimat vom Wunsch der Menschen nach einem konkret gelebten Leben im Kontakt mit der Natur und dem Wunsch sich heimisch zu fühlen. Dieses Heimatgefühl wird entscheidend durch das „landschaftliche Sein und den Sinn oder die Idee einer Landschaft“ geprägt!

Vor diesem Hintergrund müssen wir alles tun, um diesem fortschreitenden Verlust unserer Sinn und Sein ausmachenden Landschaften (im Jahr immerhin fast die halbe Chiemseefläche!) allein im Interesse von uns Menschen (vom Bodenschutz oder Schutz von Fauna und Flora rede ich jetzt gar nicht).“

In seinem 10-Punkte-Katalog prangert er u.a. an, dass die Flächen, die der freien Landschaft und Natur entzogen werden, stärker ansteigen als die Bevölkerung. Er fordert, dass vor jeder Entscheidung über neues Bauen gelten muss: „Zuerst nachdenken und dann neu, d.h. innovativ denken. Jede Gemeinde sollte, ja muss nachweislich ein Leitbild und darauf aufbauend eine mittelfristige nachhaltige Entwicklungsplanung (Konzept) erstellen, bevor Bauleitplanung oder Bauentscheidungen gestartet werden!“

 

In diesem Zusammenhang ist die von der Gemeinde beklagte abnehmende Belegungsdichte in Wohngebieten keine „Naturgewalt“, der man hilflos ausgesetzt ist. Hier kann die Gemeinde durch

restriktivere und dadurch nachhaltige Festlegungen in den Bebauungsplänen selbst regeln, wie dicht die Bebauung sein soll.

 

Die Hereinnahme von Flächen im westlichen Bereich des LSG wird vom BUND Naturschutz unterstützt, allerdings nicht nur die jetzt bewaldeten Flächen, sondern auch die Hang abwärts liegenden landwirtschaftlich genutzten Flächen bis zur Kreisstraße NM 12 als Vorgriffsflächen zum Wald. Für Landwirte entstehen durch die Rechtsverordnung keine nennenswerten Nachteile oder Einschränkungen bei der Nutzung ihrer Felder und Wiesen. Das schützenswerte Landschaftsbild der Zeugenberge besteht eben nicht nur aus den bewaldeten Bergkuppen, ein wesentlicher Bestandteil sind auch die vom Tal her ansteigenden Felder und Grünflächen:

 

„Der Schlüpfelberg stellt einen der bedeutendsten Inselberge (charakteristischer Zeugenberg) im Neumarkter Becken dar. Um den Ort Sulzbürg erheben sich Schlossberg, Badberg, Galgenberg und Schlüpfelberg…. Die prähistorische Ringwallanlage auf dem Schlüpfelberg deutet auf eine frühe Besiedlung dieser Gegend hin. … Die Inselberge, insbesondere das Umfeld des Ortes Sulzbürg sind von hoher Biodiversität, Artenreichtum und dem Vorkommen botanischer Seltenheit geprägt. Die größtenteils bewaldeten Inselberge erheben sich optisch auffallend als unverwechselbare, naturkundliche Zeugen aus der landwirtschaftlich genutzten, waldarmen Beckenlandschaft. Der Ort Sulzbürg stellt mit seinen klein strukturierten, vielfältigen Verzahnungen zwischen Waldlandschaft und Kulturlandschaft eine Besonderheit dar. Die strukturreichen Heckenlandschaften am Badberg, eine Vielzahl von Obstwiesen und Gehölzbestände mit ausgeprägtem Geländerelief an den Siedlungsrändern von Sulzbürg bewirken die Eigenart und Schönheit des historischen Ortes inmitten eines ursprünglich bewaldeten Inselberges. Diese besondere Lage des Ortes Sulzbürg bewirkt eine herausgehobene Stellung für die Naherholung.“ (Zitat aus der Verordnung)

 

Insgesamt hat der BUND Naturschutz einen eigenen Vorschlag erarbeitet, der in der Behörde bereits vorliegt. In diesem Plan wird durch eine blaue Linie gekennzeichnet, welche Änderungen aus unserer Sicht sinnvoll und naturschutzrechtlich vertretbar sind. Dabei ist ausnahmsweise auch dem Wunsch der Gemeinde nach Gleichbehandlung aller bebauten Plätze innerhalb der Ortsteile entsprochen worden, obwohl dieses Ansinnen eigentlich nicht den Vorgaben für das hier vorliegende Schutzgut entspricht. Die tatsächliche Bebauung zeigt, dass sie in einem maßvollen Rahmen auch im LSG immer schon möglich war und ist, ohne den Schutzstatus aufzuheben.

 

Fehlende Unterlagen:

Für die von der Gemeinde Mühlhausen geplante massive Änderung des LSG „Sulzbürg mit Schlüpfelberg“ fehlen die im BNatSchG vorgeschrieben Unterlagen für die Eingriffs-/Ausgleichs-Regelung. Auch andere Gemeinden haben bei Herausnahmen von Grundstücken aus dem LSG-Schutzstatus dies mit der Ausdehnung an anderer Stelle kompensiert.

 Mit freundlichen Grüßen

 

Sigrid Schindler

(stellvertretende Kreisvorsitzende)