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Quotenrenner „Energiewende auf dem Bierdeckel“

Über 230 Zuhörer konnte Alfons Greiner von der BUND Naturschutz Kreisgruppe Neumarkt im großen Saal des Landratsamtes bei einem Vortrag begrüßen, der das Thema Energiewende umfassend beleuchtete. Mit Daniel Bannasch von MetropolSolar stand ein Kenner der Materie auf dem Podium, der sich bundesweit einen Ruf als Solarexperte erarbeitet hat. Mit 9 „Bildern“ auf einem Bierdeckel stellte er die komplexe Struktur der Energieversorgung in Deutschland und die Energiewende vor, wie sie bislang verlaufen ist und wie es weitergehen muss, wenn sie zum Erfolg führen soll und wie die notwendige und überfällige Umstellung gelingen kann.

Zu diesem Vortrag hatten eingeladen: BUND Naturschutz Kreisgruppe Neumarkt, Katholische Erwachsenenbildung im Landkreis Neumarkt e.V., Evangelisches Bildungswerk Neumarkt e.V., Stadtwerke Neumarkt, Neumarkter Lammsbräu, Landesbund für Vogelschutz, Solarinitiative Herrnried, Förderkreis Solar- und Windenergie Neumarkt e.V., Jurenergie eG, CSU-Ortsverband Holzheim, ÖDP und SPD Neumarkt.

Wie sehr das Thema den Bürgern auf den Nägeln brennt, zeigte auch die starke Präsenz der Bürgerinitiativen gegen die Stromtrassen und für eine dezentrale Energieversorgung aus dem Landkreis Neumarkt und Mittelfranken und sogar aus Schwaben.

Vor dem Vortrag boten mehrere Mitveranstalter Informationen rund um die Wind- und Solarenergie an. Sie zeigten auf, dass nachhaltiger Klimaschutz ohne Energiewende nicht möglich ist und welchen Beitrag jede/r von uns dazu leisten kann.

Klimaschutzziele, Strom und Wärme aus erneuerbaren Energien, Netzausbau, Energieeffizienz, Elektromobilität – die Vielfalt der Energiewende verwirrt und kann schnell ein Gefühl der Überforderung oder Ablehnung hervorrufen. Der Weg in eine Zukunft mit erneuerbaren Energien ist nach Meinung von Dipl.-Volkswirt Daniel Bannasch jedoch weniger kompliziert, als er in der öffentlichen Diskussion erscheint. Er zeigte die Entwicklung der letzten 30 Jahre auf mit allen Höhen und Tiefen, berief sich immer wieder auf Hermann Scheer, der schon vor Jahrzehnten den zu gehenden Weg voraussagte und leider viel zu früh verstarb. Er empfahl auch Tony Seba, der mit „Saubere Revolution 2030“ aufzeigt, dass die Umstellung auf erneuerbare Energien in gut einem Jahrzehnt vollzogen sein muss und nach Daniel Bannasch auch vollzogen sein wird. Etwas anderes kann sich das Land nicht leisten. Alle anderen Wege würden zudem viel zu teuer.

Fossile Energiewirtschaft bedroht das 1,5°-Ziel

Um das 1,5°-Ziel des Pariser Abkommens zu erreichen, bleibt keine Zeit für Bescheidenheit. „Wir befinden uns bereits mitten in einer disruptiven Entwicklung und die Energiewende wird im Jahr 2030 im Wesentlichen passiert sein“, so Daniel Bannasch. Wenn z.B. Saudi Arabien noch immer auf Atomkraft setzt, obwohl dieses Öl-Land den Solarstrom für 1-2 Cent pro Kilowattstunde produzieren kann, dann ist die einzige Erklärung dafür die geplante Produktion von Atomwaffen. Das Zusammenspiel von Rüstungsindustrie und fossiler Energiewirtschaft ist eine sehr reale Bedrohung für alle Menschen, so Bannasch.

Für die Erneuerbaren Energien sprechen neue Geschäftsmodelle, die durch neue Technologien und Kostendegression angekurbelt werden. Treiber sind exponentiell fallende Kosten bei Solaranlagen, Windenergien, Speichern, Elektro-Autos usw. Bestes Beispiel solcher Entwicklungen ist das Smartphone. 2007 als „I-Phone“ präsentiert, hat es heute nach 10 Jahren fast jeder. Ein Gerät hat in dieser kurzen Zeitspanne Mobiltelefon, Laptop, Fotoapparat, Navi und tragbares Musikgerät miteinander verknüpft.

Recht auf Sonne

Ein großes Problem für das gesteckte Ziel sind die Hindernisse, die ständig künstlich erzeugt werden. Bannasch zitiert zum wiederholten Male Hermann Scheer: „ Knapp sind nicht die Erneuerbaren, knapp ist die Zeit“! Und er fügt hinzu, dass der Ausbau der Erneuerbaren durch immer neue Kürzungen, Einschränkungen und Schikanen behindert wird. Förderstopps und zunehmende Bürokratievorgaben behindern Investoren zusätzlich. Und dann nannte er sein „Erlanger Solarmanifest“, das er mit „Recht auf Sonne“ vorstellte: 1. Die Sonne ist Energiequelle für uns alle. 2. Jeder hat das Recht, die Sonne frei zu nutzen. 3. Niemand darf bei der Ausübung dieses  Rechts willkürlich beschränkt, behindert oder belastet werden.

Damit untermauerte er auch sein letztes Bild auf dem Bierdeckel. Es zeigt, wie einfach der Weg der Sonnenenergie auf dem direktem Wege zum Verbraucher ist.

In der anschließenden sehr ausführlichen Diskussion ging Bannasch noch auf viele Fragen der Zuhörer ein. Ein wesentliches Problem war für eine Reihe von Zuhörern das Lithium, das für die Akkus der Elektro-Autos benötigt wird. Hier konnte Bannasch darauf verweisen, dass sich die Journalisten auf eine alte Studie beziehen, die mit falschen Annahmen operierte und längst widerlegt wurde. Er empfahl allen, sich im Netz umfassend zu informieren und bei „E-Auto – Mythen“ nachzulesen, was berichtet wird, aber keiner Prüfung standhält.

Eine weitere Frage aus dem Publikum griff die schlechte Öko-Bilanz des Akkus in E-Autos auf. Diese Frage kommt nach Aussage des Referenten in jeder Diskussion. Dahinter steckt eine schwedische Studie, die längst widerlegt wurde, aber immer wieder zitiert wird. Neuere Studien kommen zu völlig anderen Ergebnissen.

Große Begeisterung fand auch seine Idee, dass eine Kommune oder ein Quartier ohne Steuern  und Abgaben zu zahlen, Energie hin- und herschieben kann. Das ergäbe eine bislang nicht erlebte Dynamik.

Solche lokalen Freihandelsabkommen für Energie sind nicht in der Realisierung, wohl aber ein Mercosur-Abkommen für mehr Soja und Rindfleisch und wir stehen fassungslos davor, dass der Regenwald brennt und abgeholzt wird. „Und auf der anderen Seite kann ich nicht mal meinem Mieter als Vermieter in der Einlegerwohnung den Strom rüberreichen!“, so Bannasch.

Viele weitere Fragen kamen aus dem Publikum und Daniel Bannasch konnte mit klaren und belegbaren Aussagen den Zuhörern aufzeigen, dass sich die solare Zukunft nicht mehr aufhalten lässt und jeder Versuch, die neue Entwicklung zu verschleppen, die Bürger nur noch immer teuerer kommt.