Zur Startseite
  • Direktvermarktung

Aktuelles

Presseberichte

Veranstaltungen

  • Übersicht

Veranstaltungen 2020

Kinder+Jugend

Trauerrede - Stadtpark

Liebe Trauergemeinde,

wir sind heute hier zusammen gekommen, um unsere Trauer darüber zum Ausdruck zu bringen, dass an dieser Stelle im vergangenen Frühling neun Mitbewohner der Stadt ihr Leben lassen mussten: Neun große vitale Bäume wurden gefällt, um Platz zu machen für einen Parkplatz! Neun Bäume, die in ihrem langen vorangegangenen Leben wertvolle Dienste für uns Menschen geleistet haben. Sie haben Kohlenstoffdioxid geschluckt und uns Sauerstoff geliefert. Sie haben Schadstoffe aus der Luft aufgenommen und gebunden. Sie haben im Sommer Schatten gespendet und die Atemluft durch Feuchtigkeit verbessert. Sie waren Lebensraum für viele Vögel, Käfer und andere Insekten. Und für uns Menschen war ihr Anblick ein Seelentrost in dieser lauten Beton- und Asphaltwelt.

An dieser Stelle möchte ich einige Gedanken über Bäume zitieren von bekannten, sogar berühmten Menschen aus unterschiedlichen Zeitaltern und Erdteilen:

„In jedem Baum wohnt ein Geist, und sein Wohlergehen zu beeinträchtigen, belastet die Stätte mit Unglück.“

Roswitha Bloch, deutsche Lyrikerin:

„Indem wir einen Baum umarmen, lernen wir seine Seele kennen.“

„Der Atem der Bäume schenkt uns das Leben.“

Kurt Tucholsky, deutscher Schriftsteller:

„Nun ist ein alter Baum ein Stück Leben. Er beruhigt. Er erinnert. Er setzt das sinnlos geschraubte Tempo herab, mit dem man unter großem Geklapper am Ort bleibt. Und diese alten Bäume sollten dahingehen, sie, die nicht von heute auf morgen nachwachsen? Die man nicht „nachliefern“ kann? Die nicht in Serie, frei ab Wald, wieder aufgebaut werden können?“

Hermann Lahm: deutscher Dichter:

„Bäume sind die schönste Verbindung zwischen Himmel und Erde.“

Hermann Hesse, deutscher Schriftsteller:

„Bäume sind Heiligtümer. Wer mit ihnen zu sprechen, wer ihnen zuzuhören weiß, der erfährt Wahrheit. Sie predigen nicht Lehren und Rezepte, sie predigen, um das Einzelne unbekümmert, das Urgesetz des Lebens.“

Johann Amos Comenius, 1592 – 1670:

„Die Menschen müssen in der Weisheit soviel als möglich nicht aus Büchern unterwiesen werden, sondern aus dem Himmel, der Erde, den Eichen und Buchen.“

Hildegard von Bingen, 1098 – 1179:

„Es gibt eine Kraft aus der Ewigkeit und diese Kraft ist grün.“

Wangari Maathai, 1940 – 2011, Friedensnobelpreisträgerin und Professorin aus Kenia:

„Gibt es ein schöneres Bild für den Frieden und die Hoffnung, als einen lebendigen Baum?“

Indianisches Sprichwort:

„Wenn du traurig bist, such dir einen Baum.“

Alexander von Humboldt, 1769 – 1859:

„Hab Ehrfurcht vor dem Baum. Er ist ein einziges großes Wunder, und euren Vorfahren war er heilig. Die Feindschaft gegen den Baum ist ein Zeichen von Minderwertigkeit eines Volkes und von niedriger Gesinnung des Einzelnen.“

Gottfried Keller, 1819 – 1890:

„An einem offenen Paradiesgärtchen geht der Mensch gleichgültig vorbei und wird erst traurig, wenn es verschlossen ist.“

Mit diesem letzten Gedanken möchte ich überleiten zur aktuellen Situation. Jetzt stehen noch alle Bäume im Stadtpark, im „offenen Paradiesgärtchen“. Wenn sie gefällt werden, bleibt uns nur die Traurigkeit. Deshalb lasst uns nicht gleichgültig an unseren Freunden, den Bäumen, vorüber gehen. Setzen wir uns ein für unsere Bäume!

Fast 100 weitere Bäume sollen gefällt werden - Hainbuchen, Bergulmen, Lärchen, Birken, Buchen, Schwarzpappeln, und viele mehr -  um Steintreppen zu bauen. Aber auch Hecken – Lebensräume für viele Vögel und Insekten – sollen aus diesem Stadtpark entfernt werden. Eine Broschüre der Stadt Neumarkt wirbt mit bunten Aquarellen für dieses Projekt. Verdient der Stadtpark nach der geplanten Neugestaltung noch den Namen „Park“? Ich sage nein! Hier sollen wertvolle Lebensräume vernichtet und Biotope zerstört werden. Der Wert von Bäumen und Hecken wird reduziert auf eine dekorative Kulisse. Haben die Verantwortlichen dieser Stadt nicht registriert, dass sich in Bayern fast 2 Million Menschen in nur zwei Wochen in einem Volksbegehren dafür ausgesprochen haben, Lebensräume für Vögel und Insekten zu erhalten? Was ist die Unterschrift eines Oberbürgermeisters unter dieses Volksbegehren wert, wenn er offenbar zu keinem Kompromiss zur Erhaltung der ökologischen Lebensräume im Stadtpark bereit ist?

Aber wir sind nicht allein mit unserer Trauer und unserem Einsatz. Sehr viele Menschen in Neumarkt haben sich mit uns für den Erhalt der Bäume und Hecken ausgesprochen. Wir werden uns weiter einsetzen, um dieses Ziel zu erreichen. Als sichtbares Zeichen unserer Trauer, aber auch als Mahnung an alle, die auf der anderen Seite – im Stadtpark – 100 weitere Bäume fällen wollen, legen wir auf jeden Baumstumpf hier ein Gesteck zur Erinnerung und entzünden ein Grablicht. Möge dieses Licht die Gedanken der Verantwortlichen dieser Stadt erleuchten, möge die Wärme der Lichter ihre Herzen durchfluten und ein Umdenken bewirken. Mögen die Lichter ein Zeichen für alle Menschen in dieser Stadt sein, sich für ihre Freunde, die Bäume, einzusetzen.  

 

Neumarkt, 15. Februar 2019                                Sigrid Schindler, Bund Naturschutz