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Stadtwald der Zukunft

Wälder und Bäume für nachhaltige Städte

Der Englische Garten, die Isarauen: Nicht nur in München erhöhen Grünanlagen, Stadtwälder und Parks die Lebensqualität. Doch die grünen Lungen, die Wälder und Bäume, der Städte sind in Gefahr: Mit steigender Verschmutzung und Verdichtung sind neue Grün-Konzepte für die Städte gefragt.

Von: Anja Bühling, Stand: 20.03.2018

Warum sind Bäume und Stadtwälder so wichtig?

  • Bäume sind wichtig für den CO2-Haushalt, indem sie CO2, Staub und gasförmige Verunreinigungen aus der Luft filtern und Sauerstoff produzieren.
  • Sie dienen als Lebensraum für Tiere und Pflanzen.
  • Sie fungieren als Wind- und Lärmschutz.
  • Bäume und Wälder sind natürliche Klimaanlagen und verbessern das Mikroklima einer Stadt. In den Städten ist es aufgrund der Versiegelung durchschnittlich vier bis fünf Grad Celsius wärmer als im Umland – Bäume wirken dem Temperaturanstieg entgegen.
  • Sie erhöhen die Luftfeuchtigkeit.
  • Sie absorbieren Strahlungen und spenden Schatten.
  • Sie erhöhen die Lebensqualität der Menschen und führen zu einer höheren Identifikation der Menschen mit ihrem Viertel.
  • Sie fungieren als gliedernde Elemente in der Stadtplanung.
  • Sie steigern den Wert einer Immobilie, wenn die in der Nähe eines Parks oder von Bäumen liegt.

Laubbäume dominieren in den Städten

In Bayerns Städten wurden lange hauptsächlich Bäume gepflanzt, die aus Mitteleuropa stammen, darunter vor allem Laubbäume wie Kastanien, Linden und Ahornarten, Platanen und Robinien. Natürlich wählen die örtlichen Gartenbauämter ihre Bäume nach den jeweiligen Bodenverhältnissen und Standorten aus. So finden sich in München zum Beispiel viele Silberlinden, die aus Südosteuropa stammen und unempfindlich gegen Verschmutzung und Trockenheit sind. In Nürnberg, wo der Boden nährstoffarm und trocken ist, wachsen dagegen Roteichen gut. Insgesamt stehen rund 80.000 Bäume von über 160 verschiedenen Arten in der fränkischen Stadt, die meisten davon Ahornarten, Linden und Eichen.

Münchens Kastanien kämpfen

Weil sich das Klima verändert, muss auch der Baumbestand in Städten angepasst werden. In München leiden immer mehr der rund eine Million Bäume darunter, dass in der Stadt extreme Temperaturen herrschen können. In der Landeshauptstadt kann es sehr heiß und trocken, aber auch sehr kalt und feucht werden. Und dann kommen noch die Schädlinge dazu: So sind zahlreiche Kastanien an dem Bakterium Pseudomonas syringae erkrankt. Das Münchner Gartenbauamt testet deshalb seit 20 Jahren immer mehr verschiedene Baumarten auf ihre Tauglichkeit. Und so werden mittlerweile immer häufiger Bäume osteuropäischen Ursprungs angepflanzt.

"Durch Aufheizung, Verringerung der Luftfeuchte und eine verstärkte Staubentwicklung leiden unsere Städte zunehmend unter einer negativen Veränderung des lokalen Klimas. Sie entwickeln sich zu Hitzeinseln, die sich aufgrund des Klimawandels immer weiter erwärmen, wenn nicht geeignete Maßnahmen ergriffen werden."

Landesanstalt für Wein- und Gartenbau ( LWG) in Veitshöchheim

Auch in der "steinernen" Stadt Regensburg steigen die Temperaturen aufgrund des Klimawandels kontinuierlich an. Deshalb wird nun die bisher fast baumfreie Innenstadt mit Bäumen bepflanzt, um so ein besseres, kühleres und feuchteres Mikroklima zu schaffen. Bis 2020 sollen an ausgewählten Standorten resistente Arten wie die Hopfenbuche gepflanzt werden.

 

Raumnot führt zu Verdrängungskämpfen

Alle Verantwortlichen sind sich der Bedeutung von Bäumen und Grünflächen für Städte in Zeiten des Klimawandels bewusst – und dennoch gerät "das Grün" immer mehr in Bedrängnis. Denn nicht nur der Klimawandel selbst macht auch den Bäumen und Stadtwäldern zu schaffen. Auch neue Schädlinge setzen vor allem den Laubbäumen zu. Zudem lässt die immer größere Versiegelung und Verdichtung durch Wohnungsbau und Gewerbeimmobilien, durch immer mehr Verkehr und Infrastruktur Grünflächen schrumpfen und Bäume verschwinden.

 

Nach Angaben der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim fallen in Deutschland täglich fast 100 Hektar Natur dem Verkehrs- und Wohnungsbau zum Opfer. Bayern stehe mit einem Verlust an Freiflächen von 17 Hektar pro Tag (rund 24 Fußballfelder) ganz oben, so der LWG im März 2018.

Sauerstoff-Lieferanten

Eine Buche zum Beispiel mit 800.000 Blättern verarbeitet 2,4 Kilogramm Kohlendioxid pro Stunde und an sonnigen Tagen können 25 m² Blattfläche den ganzen Sauerstoffbedarf eines Menschen decken. (Quelle: NABU)

Tag des Waldes 2018: Mehr Stadtwälder, Bäume und Grün gefordert

Die Ernährung- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) hat deshalb 2018 das Motto "Wälder für nachhaltigere Städte" zum "Internationalen Tages des Waldes" gewählt. Die FAO geht davon, dass bis zum Jahr 2050 voraussichtlich sechs Milliarden Menschen in städtischen Gebieten leben – das wären 70 Prozent der Weltbevölkerung. Damit diese Städte und Megacities nicht in Schmutz und Smog untergehen, empfiehlt die FAO dringend Wald- und Baumflächen in die Stadtentwicklungspläne einzubeziehen.

Weißbuch – Stadtgrün

Am 1. April 2017 hat das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) das "Weißbuch: Stadtgrün – Grün in der Stadt, für eine lebenswerte Zukunft" herausgegeben, in dem Handlungsfelder und Vorgehensweisen für Bundesländer, Städte und Kommunen aufgezeigt werden, um die Zukunft grüner zu gestalten.

 Weißbuch – Stadtgrün (bmub.bund.de)