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Plädoyer für Verzicht auf Gift in Gärten, städtischen Anlagen und der Lebensmittelproduktion.

 

Bei der Jahreshauptversammlung der Ortsgruppe Neumarkt referierte Christa Joch von der Zivilcourage zum Thema „Das stille Sterben: Pflanzenschutzmittel – die Rundumkeule für Flora und Fauna“.

Frau Joch ist Hobbyimkerin und hat sich intensiv mit Pflanzenschutzmitteln auseinandergesetzt und sie als Rundumkeule für Flora und Fauna bezeichnet. Sie stellte eingangs die Frage, was denn hier geschützt wird, wenn Tiere und Pflanzen auf der Strecke bleiben. Alle Pestizide sind letztlich Bekämpfungsmittel.

In Deutschland werden jährlich 43 000 Tonnen Spritzmittel ausgebracht. Dabei entfallen 17% auf Privathaushalte, Gärten und Zierpflanzen. Hier gibt es keinen ökonomische Druck, so dass auf sie komplett verzichtet werden könnte.

 

Spritzmittel bestehen oft aus mehreren Komponenten und ab 3 Wirkstoffen ist die Toxizität der einzelnen Wirkstoffe nicht mehr kontrollierbar. Die Wirkung auf die Artenvielfalt ist gravierend. Blühpflanzen und Wildkräuter sind betroffen und damit Insekten, Vögel, Säugetiere, aber auch Gewässer und damit Fische, Kleinlebewesen und Amphibien. Betroffen sind auch Bodenorganismen, Pilze, Flechten und letztlich auch der Mensch.

Wissenschaftliche Studien zeigen, dass seit 1970 die Vielfalt des Lebens auf der Erde um 50% zurückgegangen ist. Dramatisch ist der Rückgang der Insektenbiomasse. Hier sind Verluste in den letzten 30 Jahren um bis zu 80% zu beklagen. Jeder, der vor 30 Jahren nachts mit dem Auto unterwegs war, musste danach seine Scheibe reinigen, da viele Nachtfalter und andere Insekten daran klebten. Heute gibt es die Tiere nicht mehr und damit auch die Tiere, die von diesen Tieren lebten usw.

2008 starben allein in Baden-Württemberg 11 000 Bienenvölker während der Maisaussaat. Intensive Forschungen belegten, dass freigesetzte Beizstäube die Ursache waren. Und es zeigte sich, dass bereits niedrigste Dosierungen von Insektiziden die Futtersaftaufnahme der Bienenbrut hemmen.

Christa Joch verdeutlichte, dass auch Spritzmittel mit dem Aufdruck „nicht bienengefährlich“ sehr schädigend für Bienen, Marienkäfer, Florfliegen usw. sind. „Wir werden gerade Zeugen eines ökologischen Kollapses des gesamten Wildtierbestandes, der in Hecken, Feldern, Tümpel und Flüssen lebt. Weit verbreitete Arten, die wir noch aus Kindertagen kennen, verschwinden einfach sang- und klanglos.“

Ein Drittel der Pestizide bewirken so gut wie keinen Mehrertrag. Es gibt keine Studie, die das Gegenteil belegt!

 

Der BUND hatte sich 2014 mit dem Chemieriesen Bayer angelegt und 2015 gewonnen. Seitdem dürfen Lizetan und Calypso wieder als bienenschädliche Pestizide bezeichnet werden.

Inzwischen werden einige Mittel eingeschränkt, aber mit anderen Wirkstoffgruppen, die genauso schädlich sind, kommen neue Präparate auf den Markt. Und das Verschwinden der Arten geht weiter. Vor allem die Feldvögel haben gewaltige Bestandseinbrüche erlebt: Sperling, Rebhuhn, Grauammer und Braunkehlchen gingen seit 1980 um 60-70% zurück! Und selbst die Feldlerche, früher ein Allerweltsvogel, ist in unserer Landschaft kaum mehr zu vernehmen. Und so wird die Liste der vom Aussterben bedrohten Tiere immer länger.

Derzeit wird in der EU über ein Verbot von Glyphosat verhandelt, dem weltweit meistverkauften Herbizid. Sein Einsatz hat sich innerhalb von 12 Jahren verfünffacht! Es ist inzwischen im Urin in nahezu 100% der Bevölkerung nachweisbar.

 

Als die Referentin zu möglichen Lösungen kam, gab es ein großes Lob für die Stadt Neumarkt und die Stadtgärtnerei. Dort wirt seit drei Jahren das Unkraut auf Plätzen und Gehwegen mit Heißwasserdampf bekämpft und der Spritzmitteleinsatz auf 0% zurückgefahren. Nötig wären auch mehr Blühstreifen an Feldrändern, Straßen, Feldwegen und zwischen den Feldern. Dazu ein deutlicher Ausbau der ökologischen Landwirtschaft, den nur so kann auch die weltweite Ernährung sichergestellt werden, wie im Weltagrarbericht 2008 verdeutlicht wurde.